25 Jahre deutsch-französischer Diplomatenaustausch

Gemeinsamer Beitrag von Harald Braun, Emily Haber und Pierre Sellal. Harald Braun und Emily Haber sind Staatssekretäre des Auswärtigen Amts in Berlin, Pierre Sellal ist Generalsekretär des Quai d’Orsay in Paris.

Gemeinsamer Beitrag von Harald Braun, Emily Haber und Pierre Sellal. Harald Braun und Emily Haber sind Staatssekretäre des Auswärtigen Amts in Berlin, Pierre Sellal ist Generalsekretär des Quai d’Orsay in Paris.

Le groupe des jeunes diplomates français et allemands dans le Salon de l'Horloge. Photo MAEE.

Die Delegierten des 3. KSZE Folgetreffens waren im Oktober 1986 höchst erstaunt, als in Wien ein französischer Beamter im Namen der Bundesrepublik Deutschland nicht nur das Wort ergriff, sondern seinen Redebeitrag auch noch auf Deutsch vortrug. Als dann wenig später ein deutscher Beamter im Namen der Französischen Republik diesmal - „bien sûr“ - auf französisch antwortete, war die Überraschung der Konferenzteilnehmer komplett.

Was war geschehen? Anfang 1986 hatten der deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher und sein französicher Amtskollege Roland Dumas die Idee, ein Austauschprogramm für die Beamten in den Außenministerien ins Leben zu rufen. Diese sollten fortan die diplomatische Praxis des Partnerlandes besser kennenlernen und damit die deutsch-französische Zusammenarbeit auch im Arbeitsalltag stärken – ein visionärer Schritt und ein weiterer Vertrauensbeweis der beiden Nachbarländer. Der Beschluss wurde auf dem deutsch-französischen Gipfel am 27. und 28. Februar 1986 gefasst. Im Oktober nahmen die ersten Diplomaten in den Außenministerien in Bonn und Paris ihren Dienst auf. Bald schlossen sich weitere Ministerien an. Das ist nun 25 Jahre her. Was damals klein begann, ist heute eines der größten und umfassendsten Programme seiner Art und weltweit einzigartig. Die deutsch-französische Erklärung zum 40. Jahrestag des Elysée-Vertrags vom 22. Januar 2003 hat die Vorteile dieses Austauschs nicht nur bestätigt, sondern auch der Initiative von 1986 einen neuen Impuls verliehen.

Heute sind die Austauschbeamtinnen und -beamten fest in die Arbeitsabläufe in ihren Partnerbehörden integriert: Sie nehmen gleichberechtigt an Sitzungen teil. Sie erhalten und verfassen interne Dokumente. Sie sind bei vertraulichen Gesprächen anwesend. Sie schauen ihren Kollegen also nicht nur über die Schulter, sondern gestalten das tägliche Geschäft mit. Das erleichtert die Vorbereitung der Treffen der Staats- und Regierungschefs und der Außenminister. Es ist aber auch dort wichtig, wo es um Detailfragen geht, um die mühevolle Abstimmung größerer Projekte und die einzelnen Schritte ihrer Umsetzung. Austauschdiplomaten sind gleichzeitig Impulsgeber und Frühwarnstation: Ihre Ideen nehmen das dies- und jenseits des Rheins Wünschenswerte und Machbare in den Blick. Sie können rasch fehlende Informationen beschaffen und machen Vorschläge und Entscheidungen durch ihre besondere Perspektive für das Partnerland nachvollziehbar. Die Austauschbeamten leisten so einen wichtigen, häufig entscheidenden Beitrag dafür, frühzeitig Missverständnisse und damit potenzielle Konflikte zu vermeiden.

Der Erfolg des Austauschprogramms dokumentiert vor allem eines: In den 25 Jahren der Zusammenarbeit im diplomatischen Alltag sind unzählige persönliche Erfahrungen gemacht und Vertrauensverhältnisse begründet worden, die weit über die Zeit des Austausches hinaus, häufig ein ganzes berufliches Leben lang halten. Die Erfahrungen des Einzelnen summieren sich zu intimen Kenntnissen der beiden Außenministerien übereinander. Auch dadurch wird die enge Kooperation dauerhaft auf eine sichere Grundlage gestellt, die auch dann trägt, wenn die politische Großwetterlage eine gegenläufige Richtung einzuschlagen scheint. Der Beamtenaustausch ist so auf allen Ebenen – vom Sachbearbeiter bis zum Berater eines Staatssekretärs oder Ministers – zu einem der wertvollsten Instrumente der deutsch-französischen Partnerschaft geworden.

Das nutzt Europa. Heute mehr denn je kommt es darauf an, dass Deutschland und Frankreich zu ihrer Verantwortung für die Einheit und Stabilität Europas stehen und mit gemeinsamen Positionen voran gehen. Das entschlossene Handeln von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy auf den jüngsten europäischen Gipfeltreffen, zuletzt am 23. Oktober, hat gezeigt, dass deutsch-französische Impulse für die Zukunft Europas auch weiterhin unverzichtbar sind.

Wir müssen die einzigartige Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich gut pflegen. 2013 feiern Deutschland und Frankreich das 50jährige Jubiläum des Elysée-Vertrags, der die vertragliche Grundlage für die deutsch-französiche Freundschaft gelegt hat. Es ist uns – auch dank solch erfolgreicher Programme wie dem gemeinsamen Beamtenaustausch - gelungen, dem Vertragstext Leben einzuhauchen. Das werden wir fortsetzen. Denn auch hier ist es nicht anders als zwischen guten alten Freunden: Man besucht sich, kennt sich und arbeitet zusammen. Mitunter mag man anderer Meinung sein, doch man vertraut und versteht einander.

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