Beseitigung von Mobilitätshindernissen für Lehrer - 5. Deutsch-Französischer Ministerrat (26. April 2005)

1. Sachstand

Das Abschlusskommuniqué des Treffens von Ländern und Regionen vom 28. Oktober 2003 in Poitiers nennt das Ziel einer Beseitigung der Mobilitätshindernisse für sprachlich qualifizierte Lehrer, die ihren Abschluss im Partnerland gemacht haben.

Im Rahmen einer Prüfung der bestehenden Vorschriften wurden Einstellungsmodalitäten, unterschiedlicher Status sowie die verschiedenen administrativen Stellungen der Lehrer in beiden Ländern verglichen. Es wurden verschiedene Fallgruppen ausgemacht, für die die Hindernisse bereits beseitigt wurden oder voraussichtlich in naher Zukunft beseitigt werden: Lehramtsanwärter, beamtete Lehrer, nicht beamtete (angestellte) Lehrer sowie – nur in Deutschland – Lehramtsbewerber, die das 2. Staatsexamen bestanden, aber noch keine Stelle als Lehrer haben.

2. Perspektiven und konkrete Initiativen

Durch diese Prüfung konnten der Rahmen für die Lehrermobilität präzisiert und die gesetzgeberischen Maßnahmen gefunden werden, die ggfs. nötig sind, um noch bestehende Mobilitätshindernisse bei bestimmten Lehrergruppen zu beseitigen. Die derzeit und voraussichtlich demnächst geltenden Vorschriften werden es Lehrern ermöglichen, nicht nur einen Teil ihrer praktischen pädagogischen Ausbildung im Partnerland zu absolvieren, sondern auch, dort im Rahmen einer Beurlaubung, einer Abordnung oder eines Vertrages zu unterrichten.

Folgende Maßnahmen zur Förderung der Lehrermobilität innerhalb der Europäischen Union wurden bereits getroffen oder sind in Vorbereitung:

  • Lehrer mit Doppelqualifikation können in beiden Ländern entweder im Rahmen einer Beurlaubung oder einer Abordnung arbeiten. Die französische Verordnung vom 2. Mai 2002 regelt die Beurlaubung dieser Lehrer in Deutschland und deren Aufnahme in Frankreich
  • beamtete Lehrer mit beiden deutschen Staatsexamina können im Rahmen einer vom jeweiligen Land vorzunehmenden, im öffentlichen Interesse liegenden Beurlaubung in Frankreich arbeiten und dort gemäß der Verordnung vom 2. Mai 2002 aufgenommen werden
  • beamtete Lehrer, die erfolgreich das französische Auswahlverfahren (concours) durchlaufen haben, können gemäß der Verordnung vom 2. Mai 2002 beurlaubt werden, um in Deutschland gemäß den in den Ländern jeweils geltenden rechtlichen Regelungen zu arbeiten
  • nicht beamtete (angestellte) in Deutschland arbeitende Lehrer mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung erhalten voraussichtlich ab 2006 die Möglichkeit, in Frankreich im Rahmen eines Zeitvertrags von bis zu sechs Jahren als Gastlehrer zu arbeiten
  • nicht beamtete (angestellte) in Frankreich arbeitende Lehrer können in Deutschland gemäß den in den Ländern jeweils geltenden rechtlichen Regelungen arbeiten
  • Lehramtsbewerber, die beide deutsche Staatsexamina bestanden aber noch keine Stelle als Lehrer haben (ein nur in Deutschland existierender Status), treten wie französische Studenten in ein Lehrerbildungsinstitut in Frankreich ein (Institut Universitaire de Formation des Maîtres- IUFM): Es besteht die Möglichkeit, entweder das Auswahlverfahren (concours) zu durchlaufen, oder in Frankreich als Hilfslehrer eingestellt zu werden oder auf der Basis des oben erwähnten künftigen Sechs-Jahres-Vertrags zu arbeiten
  • Lehramtsanwärter mit 1. deutschen Staatsexamen können im Rahmen der geltenden Rechtslage der jeweiligen Länder einen Teil ihrer Ausbildung in Frankreich absolvieren und anerkennen lassen
  • Lehramtsanwärter (professeurs stagiaires) im Rahmen des französischen Auswahlverfahrens haben die Möglichkeit, einen Teil ihrer Ausbildung gemäß einer derzeit in Vorbereitung befindlichen Verordnung in Deutschland zu absolvieren und anerkennen zu lassen.

3. Weitere Umsetzung

Bis Ende 2005 wird die Deutsch-Französische Hochschule auf ihrer Internetseite Informationen zu den deutschen und französischen Regelungen zur Lehrermobilität einstellen.

  • Bevollmächtigter für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit
  • französisches Ministerium für Bildung, Hochschulwesen und Forschung
Druckversion