Das Kino in Deutschland und Frankreich und das deutsch-französische Kino (Mai 2009)

Der Blick auf das Nachbarland im Kino und die Geschichte der cineastischen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich haben eine lange und reiche Tradition – Truffauts „Jules und Jim“ etwa, die vor dem ersten Weltkrieg in den deutschen Schwarzwald flüchten, oder Volker Schlöndorffs Verfilmung von Marcel Prousts „Un amour de Swan“.

Diese Tradition spiegelt sich auch in zahlreichen Abkommen, Institutionen und Festivals wieder: 1990 wurde der deutsch-französische Fernsehsender ARTE gegründet, im Jahr 2000 die deutsch-französischen Filmakademie von Gerhard Schröder und Jacques Chirac ins Leben gerufen und 2001 das deutsch-französische Filmabkommen unterzeichnet. Der damalige deutsche Kulturminister Julian Nida-Rümelin erklärte hierbei: „Der europäische Film kann sich auf Dauer nur behaupten, wenn die nationalen Produktionen zusammenarbeiten." Er musste aber zugeben, dass Deutschland von Frankreich hinsichtlich des Umgangs mit dem Film als Kulturgut lernen könne. Denn, so stellte seine französische Kollegin Catherine Tasca bei der Unterzeichnung fest: „Der Film prägt die Identität einer Nation.“

Der Blick auf das Nachbarland im Kino und die Geschichte der cineastischen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich haben eine lange und reiche Tradition – Truffauts „Jules und Jim“ etwa, die vor dem ersten Weltkrieg in den deutschen Schwarzwald flüchten, oder Volker Schlöndorffs Verfilmung von Marcel Prousts „Un amour de Swan“.

Diese Tradition spiegelt sich auch in zahlreichen Abkommen, Institutionen und Festivals wieder: 1990 wurde der deutsch-französische Fernsehsender ARTE gegründet, im Jahr 2000 die deutsch-französischen Filmakademie von Gerhard Schröder und Jacques Chirac ins Leben gerufen und 2001 das deutsch-französische Filmabkommen unterzeichnet. Der damalige deutsche Kulturminister Julian Nida-Rümelin erklärte hierbei: „Der europäische Film kann sich auf Dauer nur behaupten, wenn die nationalen Produktionen zusammenarbeiten." Er musste aber zugeben, dass Deutschland von Frankreich hinsichtlich des Umgangs mit dem Film als Kulturgut lernen könne. Denn, so stellte seine französische Kollegin Catherine Tasca bei der Unterzeichnung fest: „Der Film prägt die Identität einer Nation.“

Die Zahlen

Dass in Frankreich das Kino, und vor allem das französische Kino, eine größere Rolle spielt als das Kino in Deutschland, bestätigt ein Blick in die Statistik. Die Anzahl der Kinobesucher im Jahr 2007 war in Frankreich mit 177,5 Millionen fast um ein Drittel höher als in Deutschland, durchschnittlich gehen die Deutschen 1,52 mal im Jahr ins Kino, die Franzosen 2,78 mal. In Frankreich ist auch der Anteil der französischen Filmproduktionen mit 36,5 Prozent deutlich höher als der Anteil deutscher Filmproduktionen in Deutschland, der 2007 bei 18,9 Prozent lag. In Frankreich findet jährlich das renommierteste aller Festivals, das Filmfestival in Cannes, und französische Filme finden auch regelmäßig auf anderen Filmmärkten Beachtung. So gewann beispielsweise Marion Cotillard für ihre Darstellung der Edith Piaf im Film „La Môme“ einen Oscar 2008 als beste Schauspielerin. Und auch in Deutschland erscheint das französische Kino eine echte Alternative zum Kino aus Hollywood.

Dennoch kann nicht nur Deutschland von einem verstärkten cineastischen Austausch profitieren. Seit gut zehn Jahren erlebt das deutsche Kino einen Aufschwung. „Lola rennt“ (Cours, Lola, cours) aus dem Jahr 1998 markierte den Anfang einer ganzen Reihe von Filmen, die international Beachtung fanden. Filme wie „Good Bye Lenin“ (Good Bye Lenin), „Der Untergang“ (La Chute), „Das Leben der Anderen“ (La Vie des autres) oder „Der Baader-Meinhof-Komplex“ (La Bande à Baader) thematisierten verschiedene Kapitel der deutschen Geschichte und wurden im Ausland stark rezipiert, so erhielt „Das Leben der Anderen“ 2007 einen Oscar, genau wie schon 2003 der Film „Nirgendwo in Afrika“. Zudem hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren eine Gruppe von Regisseuren gebildet, die unter dem Namen Berliner Schule gerade in Frankreich fast bekannter wurden als in Deutschland – und denen von französischen Filmkritikern das Etikett „Nouvelle Vague allemande“ verliehen wurden. Und nicht zuletzt hat sich das Filmfestival in Berlin, die Berlinale, zu dem Festival mit den weltweit meisten Besuchern (430 000 im Jahr 2007) entwickelt.

Filmförderung und Koproduktionen

Am 30. November 1999 betonte der damalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder bei einer Rede vor der Französischen Nationalversammlung die Wichtigkeit einer „kulturellen Selbstbehauptung Europas“. Er sagte: „In der Filmindustrie, in der unsere Länder auf eine große Tradition zurückblicken, ist dies besonders deutlich. Wir sollten in diesem Bereich unsere Ressourcen, unsere Talente und unsere Phantasie bündeln.“ Wenig später, bei seiner Europarede vor dem deutschen Bundestag im Jahr 2000 ging Jacques Chirac auf diesen Vorschlag ein und erklärte: „Sorgen wir dafür, dass, unsere Künstler und Schriftsteller wieder bereit und imstande sind, im Nachbarland zu arbeiten und schöpferisch tätig zu sein.“

So wurde am 26. Juni 2000 in Berlin, in Beisein von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Präsident Jacques Chirac, die deutsch-französische Filmakademie gegründet. Ziel der Akademie, die dem Centre National de Cinema in Paris und dem Beauftragten für Kultur und Medien in Deutschland untersteht, ist es, durch eine verstärkte deutsch-französische Zusammenarbeit das europäische Kino zu fördern. Die Zusammenarbeit ist in vier Bereiche aufgeteilt : Produktion, Vertrieb, Ausbildung und die Pflege des filmischen Erbes.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Deutsch-französischen Filmakademie war die Erweiterung der bisherigen Abkommen zur Förderung deutsch-französischer Koproduktionen. Mit dem so genannten Mini-Vertrag wurde am 17. Mai 2001 in Cannes ein gemeinsamer Koproduktionsfonds geschaffen, der ein Volumen von drei Millionen Euro besitzt, auf dass die beiden Länder zu gleichen Teilen Zugriff haben. Seitdem ist die Anzahl deutsch-französischer Koproduktionen wieder deutlich gestiegen. Während zwischen 1994 und 1999 die Anzahl an Koproduktionen jährlich zwischen einem und fünf Filmen lag, stieg die Anzahl nach der Unterzeichnung des Mini-Vertrag wieder sprunghaft an, mit einem Höhepunkt von dreizehn Koproduktionen im Jahr 2004. Durchschnittlich liegt die Zahl gemeinsamer Produktionen nach Unterzeichnung des Abkommens bei etwa zehn. Vertreten sind dabei sowohl aufwändige Großproduktionen als auch kleinere Produktionen mit einem Volumen von bis zu 4 Millionen Euro, die etwa 70 Prozent der Förderungen ausmachen. Mit finanzieller Unterstützung aus dem Mini-Vertrag wurden sowohl Filme namhafter Regisseure wie Claude Chabrol oder Michael Haneke wie auch viele Erstlingsfilme noch unbekannter Regisseure gedreht. Bis jetzt überwiegt der Anteil der französischen Produktionen aus dem Mini-Vertrag.

Die verstärkte Zusammenarbeit französischer und deutscher Filmemacher führte auch zur Schaffung eines gemeinsamen Studiengangs der Filmhochschule Ludwigsburg und der Filmhochschule La Fémis in Paris mit dem Namen Atelier Ludwigsburg-Paris. Seit 2001 absolvieren jedes Jahr 18 Teilnehmer das einjährige Postgraduate-Programm, die entstandenen Kurzfilme werden beim Fernsehsender ARTE gezeigt. 2003 wurde zudem von der deutsch-französischen Filmakademie das deutsch-französische Filmtreffen ins Leben gerufen. Jährlich treffen sich hierbei deutsche und französische Produzenten, Verleiher und Fachleute, diskutieren die Zusammenarbeit und stellen neue Projekte vor.

Deutsch-französische Festivals

Deutsch-französische Filmfestivals haben sowohl in Deutschland als auch in Frankreich eine lange Tradition. Und da nicht alle Filme aus dem Nachbarland auch im jeweils anderen Land in den Kinos anlaufen, bieten Festivals ausgezeichnete Gelegenheiten, die Kinolandschaft des anderen Landes kennenzulernen.

In Deutschland sind die Französischen Filmtage das größte Festival zum französischen Film in Deutschland. Seit 1984 findet das Festival gegen Ende des Jahres in den beiden süddeutschen Städten Tübingen und Stuttgart statt. Eine Woche werden vor einer deutsch-französischen Jury Spiel- und Kurzfilme sowie Dokumentationen aus allen Ländern der Frankophonie gezeigt und verschiedene Preise verliehen.

In Paris findet seit 1995 jeden Oktober eine Woche lang das Festival du Cinéma Allemand statt, das Programm wird bei einem zweiten Festival in Lyon wenig später wiederholt. Ein großer Teil des Festivals widmet sich dem „Cinéma d’Aujourd’hui“, dem aktuellen deutschen Film, dazu werden in der Reihe „Next Generation“ die besten Kurzfilme deutsche Filmhochschüler sowie verschiedene Dokumentationen gezeigt.

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