Deutsch-Französischer Journalistenpreis (DFJP) 2016 verliehen, fünf Sieger in fünf Kategorien

Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie ist am Abend des 29.6. in Berlin der Deutsch-Französische Journalistenpreis (DFJP) vergeben worden. Die Auszeichnung wurde im Allianz Forum in den Kategorien Video, Audio, Textbeitrag, Multimedia und Nachwuchs verliehen. Zudem erhielt der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn den Großen Deutsch-Französischen Medienpreis für sein Engagement gegen die Beschneidung der Presse- und Meinungsfreiheit in einigen Staaten Osteuropas, in der Türkei und darüber hinaus.

In seiner Rede vor mehr als 300 geladenen Gästen aus beiden Ländern sagte der Vorstandsvorsitzende des DFJP und Intendant des Saarländischen Rundfunks, Professor Thomas Kleist, Asselborn habe angesichts der aktuellen Entwicklungen in Europa in den vergangenen Monaten immer wieder deutlich gemacht, wo für ihn Grenzen überschritten werden. "In einer demokratischen Gesellschaft reicht es nicht aus, wenn Politiker und Intellektuelle die Wechselbeziehungen zwischen einem vereinten Europa und den Grundwerten von Frieden und Freiheit richtig einordnen können. Dazu bedarf es vielmehr auch eines breiten Konsenses in der Bevölkerung, das ist die eigentliche Lehre, die wir aus der Abstimmung zum Brexit ziehen müssen", sagte Professor Thomas Kleist. "Daher bin ich der festen Überzeugung, dass eine gemeinsame europäische Vision langfristig nur dann eine realistische Chance auf Verwirklichung hat, wenn es uns gelingt, aus dem politischen Raum einen realen gemeinsamen europäischen Kommunikationsraum zu schaffen. Hierfür brauchen wir europaweit unabhängige Medien sowie Journalistinnen und Journalisten, die diese Vision tagtäglich als Arbeitsauftrag verstehen. Auch der Deutsch-Französische Journalistenpreis sieht sich in seiner langjährigen Tradition genau diesem Ziel verpflichtet“, so Kleist weiter.
Der luxemburgische Außenminister betonte hingegen: „Die Presse muss die Regierungen kontrollieren und nicht die Regierungen die Presse.“ Natürlich müssten dabei Grundregeln eingehalten werden. „Aber diese werden durch allgemeine Gesetzgebung festgelegt und nicht durch einen parteipolitisch dominierten Medienrat“, erklärte Asselborn. „Die EU kann keinen Dialog über Grundrechte führen, wenn sie diese nach innen selbst verletzt.“
Der Botschafter der Republik Frankreich, Philippe Etienne, verwies demgegenüber auf die Bedeutung der Medien zur Lösung der aktuellen Vertrauenskrise. „Journalismus und Medien sind für das gegenseitige Verständnis in Deutschland und Frankreich von herausragender Bedeutung. In diesen für das europäische Projekt turbulenten, aber auch wichtigen Zeiten leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Bildung einer europäischen öffentlichen Meinung.“
Gastredner für die Bundesregierung war der Erste Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz, in seiner Funktion als Bevollmächtigter für die deutsch-französischen kulturellen Angelegenheiten. Scholz betonte: „Europa befinde sich in einer besonderen Situation. Die Bürger nutzen die Freizügigkeit, der Binnenmarkt sichert Arbeitsplätze und überall profitieren Regionen von EU-geförderter Infrastruktur. Dennoch gibt es auch Kritik und Skepsis. In Großbritannien hat eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger für den Austritt gestimmt“. Die Medien hätten deshalb eine große Verantwortung. Scholz wörtlich über Jounalisten: „Sie sind diejenigen, die die Elemente einer Sprache Europas entwickeln. Sie schreiben, erklären und motivieren. Sie sind in der Lage, die Grenzen der Verständigung zu erweitern und Konsens zu vermitteln. Es geht es um politische Konzepte und um Kommunikation. Europa ist es wert, verstanden zu werden.“
Die Preise im Gesamtwert von 30 000 Euro wurden verliehen an:
• Christian Dassel und Clemens Gersch für „#jesuischarlie: Ein Hashtag und die Folgen“ (WDR, Kategorie Video)
• Pascal Dervieux für „Immigration en Allemagne : le tournant ?“ (France Inter, Kategorie Audio)
• Leo Klimm für „Chef-Köche“ (Capital, Kategorie Textbeitrag)
• Christian Beetz, Jakob Vicari, Jens-Uwe Grau und Tanja Schmoller für „Falcianis SwissLeaks“ (falciani-arte.info.tv, Kategorie Multimedia)
• Laetitia Grevers (in Zusammenarbeit mit Gabriela Herpell, Alex Rühle und Lorenz Wagner) für „Wir klingen alle so, als müsste uns irgendwer erlösen„ (Süddeutsche Zeitung Magazin, Kategorie Nachwuchspreis, mit der Unterstützung vom Deutsch-Französischen Jugendwerk).
Durch die Veranstaltung führte die ARD-Moderatorin Charlotte Maihoff; für die musikalische Untermalung und große Begeisterung sorgten die Zwillingsbrüder von „Zweierpasch“ mit ihrem deutsch-französischem HipHop. Die Verleihung wurde dieses Jahr von der Allianz Kulturstiftung und Villeroy & Boch besonders unterstützt.
Der Deutsch-Französische Journalistenpreis gehört zu den wichtigsten Medienpreisen in Europa. Er wurde 1983 vom Saarländischen Rundfunk ins Leben gerufen. Ausgezeichnet werden herausragende journalistische Arbeiten, die zu einem besseren Verständnis zwischen Deutschland, Frankreich und ihren europäischen Nachbarn beitragen. Mitglieder des Preises sind das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), Deutschlandradio, France Télévisions, Saarbrücker Zeitung, ARTE, Deutsche Welle, SaarLB , Europe 1, Gustav Stresemann Institut, Le Républicain Lorrain, Deutsches Städte-Network, Radio France, Deutsch-Französisches Jugendwerk, Deutsch-Französische Hochschule, Fondation Robert Schuman, Stiftung Genshagen und der Saarländische Rundfunk als Federführer.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.dfjp.eu.
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