Deutsch-französische Ausbildung von Richteranwärtern in Afghanistan zum "Fair Trial"

Das Projekt

In Fortsetzung seiner bisherigen Zusammenarbeit mit der afghanischen Richterschaft unterstützt das Heidelberger Max-Planck-Institut für ausländisches Recht und Völkerrecht gemeinsam mit seinem französischen Partnerinstitut IIPEC (Institut International Pour Les Études Comparatives) den Obersten Gerichtshof bei der Ausbildung von Richteranwärtern und -anwärterinnen. Durch die Verankerung rechtsstaatlicher Grundsätze in der Richterausbildung soll der Aufbau einer rechtsstaatlichen Ordnung in Afghanistan weiter nachhaltig gefördert werden.

Entstehungsgeschichte

Die Zusammenarbeit begann im Jahr 2006 mit einem Fair Trial Training für 172 Richteranwärter. Seitdem werden jährlich zwischen 120 und 210 Referendare ausgebildet. Dieser Kreis setzt sich mehrheitlich aus Absolventen von Shari’a- und Jura-Fakultäten zusammen.
Ein kleinerer Teil der Teilnehmer hat eine theologische Ausbildung an einer Madrassa absolviert. Diese Gruppe benötigt besondere Aufmerksamkeit, da ihr jegliches juristische Denken fremd ist.

Das Rechtswesen für Frauen zugänglich machen

Im Jahr 2006 nahmen 12 Frauen an der Richterausbildung teil; im folgenden Jahr waren es 17 Frauen. Inzwischen sind ca. 20% jedes Jahrganges Referendarinnen. Das Institut setzt auch Dozentinnen im Unterricht ein.

Ausbildunginhalte

Grundlage des Unterrichts ist eine Reihe von derzeit zehn Max-Planck-Manuals. Die Themen sind Verfassungsrecht 1 (Staatsorganisation), Verfassungsrecht 2 (Grund- und Menschenrechte), Strafrecht 1 (Allgemeiner Teil), Strafrecht 2 (Besonderer Teil), Verwaltungsrecht, Familienrecht, Eigentumsrecht, Gerichtsorganisation, Richterliche Ethik und Prinzipien des Fairen Strafverfahrens (Fair Trial Standards). Das französische Partnerinstitut IIPEC beteiligt sich mit Kursen zum afghanischen Zivil- und Zivilprozessrecht.

Auch das Curriculum für die gesamte, zwölf Monate dauernde theoretische Ausbildung der Richteranwärter beruht auf einem Entwurf des Max-Planck-Instituts. Alle Kurse finden in Kabul statt.

Unterrichtssprache ist ausschließlich Dari. Als Dozenten setzt das Max-Planck-Institut daher Muttersprachler mit juristischer Ausbildung ein, die anhand des Unterrichtsmaterials im Vorfeld von dem Afghanistan-Team auf ihren Einsatz vorbereitet werden. Im Unterricht legt das Institut besonderes Gewicht auf Diskussionen und Fallbeispiele, um eine aktive Teilnahme am Unterricht zu gewährleisten.

Qualitätssicherung

Das Max-Planck-Institut führt nach jeder Unterrichtseinheit eine Evaluierung durch, die auf Befragungen der Teilnehmer, der Dozenten und auf eigenen Beobachtungen beruhen. Diese Evaluierungen bilden die Grundlage für eine weitere Beratung des Obersten Gerichtshofs mit Blick auf die künftige Ausbildung seines Nachwuchses.

Das Projekt wird vom Auswärtigen Amtes finanziert und wird im Jahr 2008 mit gleicher Unterstützung fortgesetzt. Es wird von Dr. Tilmann J. Röder geleitet. Alle Unterrichtsmaterialien und weitere Informationen, auch über andere Projekte der beteiligten Institute, andere sind unter http://www.mpil.de/red/afghanistan und http://www.iipec.eu zu finden.

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