Die Förderung von wissenschaftlicher Exzellenz in Deutschland und Frankreich - 7. Deutsch-Französischer Ministerrat (12. Oktober, 2006)

Sachstand

Deutschland und Frankreich haben vor kurzem wichtige Initiativen ergriffen, um ihre Hochschul- und Forschungspolitik tiefgreifend zu reformieren. In beiden Ländern sollen die Reformen der Exzellenzförderung, der Entstehung weltweit anerkannter Hochschul- und Forschungszentren sowie innovativer Forschung dienen und so die Ziele der Lissabon-Strategie umsetzen.
In beiden Ländern werden diese Reformen durch Ausschreibungen umgesetzt, für die bedeutende Finanzmittel bereitstehen. Die Ergebnisse dieser - deutschen und französischen -Ausschreibungen werden in diesen Tagen beinahe zeitgleich bekannt gegeben.

Aussichten und konkrete Initiativen

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat im Juni 2005 gemeinsam mit den Ländern die Exzellenzinitiative zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen gestartet. Zwischen 2005 und 2011 werden 1,9 Milliarden Euro im Wettbewerb an die Hochschulen vergeben, 75 % davon werden vom Bund, 25 % vom Sitzland der jeweiligen Hochschule getragen.

  • Ca. 40 Graduiertenschulen werden mit durchschnittlich je 1 Mio. € pro Jahr gefördert.
  • Ca. 30 Exzellenzcluster zur Förderung der Spitzenforschung erhalten 6,5 Mio. € pro Jahr. Mit Exzellenzclustern sollen an den Universitäten international sichtbare und konkurrenzfähige Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen etabliert werden, die mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Fachhochschulen und der Wirtschaft kooperieren.
  • 10 Zukunftskonzepte zum Ausbau der universitären Spitzenforschung werden mit durchschnittlich 21 Mio. € pro Jahr gefördert, um die Universitäten in die Lage zu versetzen, ihre herausragenden Forschungsbereiche nachhaltig zu entwickeln und sich im internationalen Wettbewerb der Spitzenuniversitäten zu etablieren. Für die Umsetzung der Initiative sind die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat verantwortlich. Am 13. Oktober 2006 werden die ausgewählten Projekte der ersten Förderrunde bekannt geben. In Frankreich hat das am 18. April 2006 verkündete Forschungsgesetz die Einrichtung von regionalen Forschungs- und Hochschulzentren (PRES) sowie von thematischen Netzen für fortgeschrittene Forschung (RTRA) begründet. Die regionalen Forschungs- und Hochschulzentren (PRES) sollen die Effizienz, Sichtbarkeit und Attraktivität der Ausbildungs- und Forschungsstandorte in Frankreich erhöhen, indem sie die Zusammenfassung der Aktivitäten und Mittel und die Einrichtung von Standortprojekten der verschiedenen staatlichen wie privaten Hochschulen und Forschungseinrichtungen fördern. Auf Grund der Vierjahresverträge, in denen die Verbindlichkeiten des französischen Ministeriums für Bildung, Hochschule und Forschung zugunsten der Hochschulen festgelegt sind, können die in diesen regionalen Zentren zusammengefassten Einrichtungen somit zusätzliche Mittel erhalten. Die thematischen Netze für fortgeschrittene Forschung (RTRA) sollen die Entstehung und Stärkung von internationalen wissenschaftlichen Hochburgen in Frankreich ermöglichen. Sie versammeln eine kritische Masse hoch qualifizierter Forscher, die sich im Rahmen einer gemeinsamen Strategie zu einem gemeinsamen wissenschaftlichen Ziel zusammengeschlossen haben, um einen harten Kern von Forschungseinheiten, die geographisch nahe beieinander liegen. Im Rahmen der Ausschreibung des französischen Ministeriums für Bildung, Hochschule und Forschung wurden 37 Anträge eingereicht. Die dreizehn besten Projekte, die mit 200 Mio. € gefördert werden, sind insbesondere auf der Grundlage ihrer internationalen Dimension und der angestrebten internationalen Partnerschaften ausgewählt und am 04. Oktober 2006 bekannt gegeben worden; sie werden zur Sichtbarkeit und Attraktivität der Forschung in Frankreich beitragen.

Zeitplan der Umsetzung

Die beiden Regierungen, die ihre Abstimmung in der Hochschul- und Forschungspolitik weiterentwickeln wollen, freuen sich, dass diese Initiativen mit stark strukturierenden Auswirkungen in die gleiche Richtung gehen: Sie zeigen, dass unsere beiden Länder zur Errichtung des Europäischen Forschungsraums sehr ähnliche Ansätze verfolgen.
Die im Rahmen dieser beiden Exzellenzinitiativen identifizierten und auf Grund ihrer erstklassigen Arbeit ausgewählten Exzellenzzentren sollten in der Lage sein, enge Kooperationsbeziehungen herzustellen und so zum Aufbau eines Europas der Forschung beizutragen.

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