Erstes Feedback aus deutschen Schulklassen zum deutsch-französische Geschichtsbuch (8. März 2007)

Das deutsch-französische Geschichtsbuch scheint in den Abiturklassen der Gymnasien, in denen es seit Beginn des laufenden Schuljahres angewendet wird, gut anzukommen. Die Schüler erfahren auf diese Weise geschichtliche Aspekte, die in ihren herkömmlichen nationalen Geschichtsbüchern keine Erwähnung finden, und lernen so, mit unterschiedlichen Geschichtsvorstellungen umzugehen. Außerdem profitieren sie ebenfalls von mehr Abwechsulungsreichtum in der pädagogischen Methodik.

In der Vergangenheit hat sich die französische Herangehensweise eher auf die Synthese und die thematische Gliederung konzentriert, wöhrend die deutsche Methode vor allem chronologisch vorgeht und die persönliche Aneignung eines historischen Verständnisses zum Ziel hat. Das Zusammenspiel beider Arbeitsweisen erweist sich als Plus für die Schüler. "Mir gefällt die Gliederung des Buches sehr gut. In deutschen Geschichtsbüchern fehlt mir oft der Blick auf das Ganze," erklärt eine Schülerin der Ziehenschule in Frankfurt einer Journalisten der dpa, die an einer Reportage über das Thgema arbeitete. "Die Gliederung hilft beim Lernen", meint auch ihre Schulkameradin Katharina. "Allerdings muss ich mich schon selber einarbeiten, um die Fakten wirklich zu behalten."

Bunte Landkarten, großflächige Fotos und zusammenfassende chronologische Tabelle gefallen den deutschen Schülern, mehr allerdings noch der Perspektivenwechsel, den das deutsch-französische Geschichtsbuch ermöglicht. "Man lernt mehr über beide Länder", stellt Ann-Kathrin fest. "Die Geschichte Algeriens und der Kolonien, das ist wirklich ein wichtiges Thema - und vor allem ein französisches Thema", ergänzt eine Mitschülerin. Ähnliches gilt auch für das Verständnis der Rolle Amerikas nach 1945, das in Deutschland sehr viel positiver ausfällt als in Frankreich. Weiterhin profitiere das Geschichtsbuch von aktuellen französischen Forschungsergebnissen, meint Wilfried Schleif, der Geschichte in französischer Sprache unterrichtet. So beschäftigt sich das Buch etwa mit Erinnerungsarbeit nach dem Holocaust auf einer Doppelseit, die die Orte der Erinnerung an die Shoah weltweit präsentiert. "Dieses Buch ermöglicht es Schülern, verschiedene Perspektiven kennenzulernen", erklärt Herr Schleif. Und das stellt für einen Lehrer eine große Erleichterung dar. "Es ist zwar nicht alles im Buch zu finden, aber ich muss nicht mehr in langwieriger Kleinarbeit verschiedene pädagogische Grundlagenmaterialien zusammentragen", fügt er hinzu.

Auch wenn unter den Lehrern die Kritiker nicht fehlen, schließt das deutsch-französische Geschichtsbuch doch eine Lücke. Die nächsten beiden Bände sollen jeweils in 2008 und 2009 in den Lehrplan aufgenommen werden. Vielleicht wird es ja eines Tages sogar ein europäisches Geschichtsbuch geben. Die Schüler wären jedenfalls mit dieser Idee, die von Bundesbildungsministerin, Anette Schavan, bereits formuliert worden ist, sehr einverstanden. "Das wäre wirklich sehr interessant", meinen sie. "Allerdings müsste das schon ein sehr voluminöser Band sein, wenn man dort alle Perspektiven unterbringen möchte."

Druckversion