"Frankfurt-Paris in vier Stunden" (10. Juni 2007)

Paris, Straßburg, Frankfurt und Stuttgart – das heißt, Frankreich und Deutschland – rücken näher zusammen. Zumindest auf der Schiene, denn ab 10. Juni 2007 ermöglicht die neue Strecke Paris–Baudrecourt Reisenden erhebliche Fahrzeitverkürzungen.
TGV und ICE werden die vier Städte miteinander verbinden, die Fahrzeit zwischen der Metropole an der Seine und den deutschen Städten wird sich um rund zwei Stunden verkürzen. Die zweite Stufe folgt am 9. Dezember, dann erreicht der ICE zwischen Paris und Frankfurt die geplante Fahrzeit von 3 Stunden 50 Minuten, die Zahl der Verbindungen wird auf täglich fünf erweitert und ein zusätzliches TGV-Angebot Paris – Stuttgart – München kommt hinzu.

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© Deutsche Botschaft Paris

Paris, Straßburg, Frankfurt und Stuttgart – das heißt, Frankreich und Deutschland – rücken näher zusammen. Zumindest auf der Schiene, denn ab 10. Juni 2007 ermöglicht die neue Strecke Paris–Baudrecourt Reisenden erhebliche Fahrzeitverkürzungen.
TGV und ICE werden die vier Städte miteinander verbinden, die Fahrzeit zwischen der Metropole an der Seine und den deutschen Städten wird sich um rund zwei Stunden verkürzen. Die zweite Stufe folgt am 9. Dezember, dann erreicht der ICE zwischen Paris und Frankfurt die geplante Fahrzeit von 3 Stunden 50 Minuten, die Zahl der Verbindungen wird auf täglich fünf erweitert und ein zusätzliches TGV-Angebot Paris – Stuttgart – München kommt hinzu.

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In Anbetracht des erfolgreichen TGV-Netzes der SNCF, das Paris mit Lyon (1981), Nantes/Rennes (1989), Bordeaux (1990), Lille/Calais (1993) und dem Méditerranée (2001) verbindet, war von einer besseren, schnelleren Verbindung der beiden Länder schon lange die Rede. Verhinderten nationale Eigenheiten oder die Angst der Fluggesellschaften vor einer Abwanderung der Gäste eine schnellere Realisierung der Pläne? Oder war es die von der französischen Bahn prognostizierte niedrige Rentabilität der Strecke nach Osten? Jedenfalls leiteten erst 1992 SNCF und die Deutsche Bahn konkrete Planungen ein, und nach diversen Verzögerungen wurde die Zeitenwende nun endlich möglich. Denn an deutsch-französischen Stolpersteinen hatte es im Vorfeld und auch bis in die Schlussphase nicht gemangelt: Unterschiedliche Strom- und Signalsysteme, stark abweichende Auffassungen über die Tarifgestaltung, eine 10-Prozent-Beteiligung der DB am Thalys und die Öffnung der Strecke Stuttgart–München für den TGV sorgten für Auseinandersetzungen und harte Verhandlungen.
Investierten die Franzosen rund vier Milliarden Euro in die Neubaustrecke des TGV Est, so fließen in die deutsche Infrastruktur 570 Millionen Euro.

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Der TGV Est-européen wird circa 37 Millionen Europäern „une nouvelle proximité“ gewährleisten. Für rund 20 Städte des französischen Ostens und das Großherzogtum Luxemburg bedeuten die neuen TGV-Verbindungen Fahrzeitverkürzungen um die Hälfte oder ein Drittel; drei neue französische Bahnhöfe wurden auf der Strecke gebaut (Lorraine, Meuse und Champagne-Ardenne) und der TGV Est wird der erste Zug sein, der im Linienverkehr mit bis zu 320 km/h fährt ...
Außer schnellen Verbindungen werden beide Züge beim Service neue Akzente setzen: So sollen die Fahrgäste auf Deutsch, Französisch und Englisch betreut werden. In der 1. Klasse soll eine Auswahl von Tageszeitungen, ein Taxi-Reservierungsservice in Paris und – bei internationalen Strecken – eine leichte Mahlzeit enthalten sein. Erst kurz vor dem Start des neuen Angebots konnte deutsch-französischer „Sprengstoff“ entschärft werden, der in diesem Angebot steckt: Die französischen Bahnschaffner weigerten sich, unterstützt von ihren Gewerkschaften, Kaffee am Platz zu servieren, also werden diese Aufgabe die deutschen Kollegen in den gemischten Zugbesatzungen übernehmen.

Für 2010 werden auf dem TGV Est-européen 11,5 Millionen Fahrgäste erwartet, eine Steigerung um 65 Prozent. Die Hälfte der neuen Bahngäste hätte vorher das Flugzeug genommen...
Mindestens bis 2012 wird es dauern, bis dann die zweite Phase des TGV Est gebaut sein wird, zwischen Baudrecourt und Vendenheim bei Straßburg. Dann sollen, so verspricht die SNCF, Straßburg und Paris nur noch 1 Stunde und 50 Minuten voneinander entfernt sein. Dann erhält der TGV Est seine volle Bedeutung und die Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsachse Frankreich–Deutschland wird vollendet.

Von Wolfgang O. Hugo; in: Dokumente 03/2007

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