Gespräch der Kultusministerkonferenz (KMK) mit dem Kulturbevollmächtigten Ministerpräsident Peter Müller und dem französischen Erziehungsminister François Fillon (10.03.2005)

Die Kultusministerkonferenz hat in ihrer Plenarsitzung am 10.03.2005 mit dem Bevollmächtigten der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit, Peter Müller, Ministerpräsident des Saarlandes, und dem französischen Erziehungsminister François Fillon ein gemeinsames Gespräch geführt. Hauptgesprächspunkte waren der Deutsch-Französische Tag, das Deutsch-Französische Geschichtsbuch, die Strategie zur Förderung der Partnersprache sowie die Beseitigung von Mobilitätshindernissen für Lehrer.

Die deutsche und die französische Seite haben die überaus positive Resonanz auf den diesjährigen Deutsch-Französischen Tag am 22. Januar hervorgehoben. In beiden Ländern wurden innerhalb und auch außerhalb der Schulen zahlreiche und vielfältige Aktionen durchgeführt. Der Deutsch-Französische Tag wurde zudem in besonderer Weise dazu genutzt, die dem Deutsch-Französischen Ministerrat im Oktober 2004 vorgelegte Strategie zur Förderung der Partnersprache umzusetzen. Im Kontext des 22. Januar 2005 wurden deshalb flächendeckend in Frankreich 800 000 Informationsbroschüren über die deutsche Sprache verteilt. In Deutschland informierten die Länder mit mehr als 500 000 Exemplaren über die Vorzüge des Erlernens der französischen Sprache. Die beiden Minister haben vorgeschlagen, dass das Motto des 22. Januar 2006 erneut die Frage der Berufswahl aufgreift und dabei zugleich die beiden Informationsbroschüren zugrundegelegt werden. Beim Deutsch-Französischen Ministerrat am 26. April 2005 wird die getroffene Wahl bekannt gegeben.

Beide Seiten haben die herausragende Bedeutung des Deutsch-Französischen Geschichtsbuches unterstrichen, das voraussichtlich im Laufe des Schuljahres 2006/07 in je einer deutschen und französischen Fassung mit identischem Inhalt zur Nutzung als reguläres Lehrbuch angeboten werden soll. Sie haben sich dafür ausgesprochen, für die Information der breiten Schulöffentlichkeit Sorge zu tragen. Die Kultusministerkonferenz hat erneut bekräftigt, dass sie im Hinblick auf die besondere Bedeutung dieses Buches bei dessen Genehmigung als Lehrbuch großzügig verfahren werde.

Hinsichtlich der Strategie zur Förderung der Partnersprache haben Peter Müller und François Fillon für eine privilegierte Stellung von Deutsch und Französisch in den Bildungssystemen beider Länder geworben.

Mit gemeinsamen strukturellen Maßnahmen in Deutschland und Frankreich soll zum Erlernen der Partnersprache motiviert werden. Im schulischen Lebenslauf soll ein Zusammenhang von Spracherwerb, Zertifizierung, Austausch und Abschluss entstehen, der den Erwerb besonderer Kompetenzen ermöglicht. Schülerinnen und Schüler beider Länder sollen die Möglichkeit erhalten, sich u.a. durch das Erlernen der Partnersprache, den verstärkten Ausbau und die Weiterentwicklung des Angebots des "AbiBac" sowie verbesserte Austauschmöglichkeiten besonders zu qualifizieren und für Ausbildung und Berufstätigkeit im Partnerland zu positionieren.

In Frankreich soll durch spezifische strukturelle Maßnahmen das Angebot von Deutsch-unterricht in allen "Académies" flächendeckend beibehalten sowie von der Primarstufe bis zur Sekundarstufe systematisch ausgeweitet werden. So erklärt die am 2. März verabschiedete Neufassung des französischen Schulrahmengesetzes als Ziel, die Anzahl der Deutsch lernenden Schülerinnen und Schüler bis 2010 um 20 % zu erhöhen; eine solche Vorgabe ist nur für Deutsch, nicht für andere Sprachen enthalten.

Der Bevollmächtigte Peter Müller hat sich anlässlich des Treffens gegenüber den Kultus-ministerinnen und -ministern dafür eingesetzt, dass durch systematische Maßnahmen in Deutschland Schülerinnen und Schüler so früh wie möglich mit Französisch in Berührung kommen und dort, wo dies nicht sinnvoll ist, zu einem späteren Zeitpunkt die Sprache erlernen, möglichst bis zum Schulabschluss. Eines der Ziele ist, binnen fünf Jahren die Anzahl von Real- und Gesamtschulen, die Französisch anbieten, um 20 % zu erhöhen. Die Kultusministerinnen und Kultusminister haben ihr besonderes Interesse an der Förderung der französischen Sprache bekundet, zugleich aber deutlich gemacht, dass die Bedeutung von Französisch in den Schulsystemen der Länder auch von der geografischen und wirtschaftlichen Nähe der einzelnen Region zu Frankreich abhänge.

Beide Seiten haben sich zudem für eine zügige Beseitigung von Mobilitätshindernissen für Lehrerinnen und Lehrer in beiden Ländern ausgesprochen.

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