Deutsch-französische Zusammenarbeit

Welternährung und Bioenergie

Nach einem beinahe ununterbrochenen Rückgang der realen Preise für Nahrungsmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse seit den 60iger Jahren sind die Weltmarktpreise für nahezu alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse 2006 und vor allem 2007 stark gestiegen. Die Faktoren dieser Preissteigerungen sind sowohl unwägbarer (Klimakatastrophen in einigen Exportländern, Spekulation, als auch struktureller Art (Zunahme der weltweiten Nachfrage nach Nahrungsmitteln).

Die Situation auf den Märkten zeigt, dass der Kampf gegen Hunger und Mangelernährung auf globaler Ebene zu den wichtigsten Aufgaben der internationalen Staatengemeinschaft zählt. Immer noch hungern weltweit über 850 Mio. Menschen und mehr als 2 Mrd. leiden unter Mangelernährung.

Der französische Minister für Landwirtschaft und Fischerei und der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz machen sich für eine Landwirtschaft stark, die weltweit die Ernährung sichern kann. Prosperierende Landwirtschaft in allen Teilen der Welt ist die Voraussetzung für eine sichere Nahrungsmittelversorgung. Beide Minister setzen sich daher auf nationaler Ebene, in der EU und in multilateralen Organisationen für eine nachhaltige und produktive Landwirtschaft zur Verbesserung der Ernährungssicherheit ein.

Diesbezüglich unterstreichen die beiden Minister die Notwendigkeit:
- Nahrungshilfe-Sofortmaßnahmen zu treffen, um den Bedarf der Bevölkerung in kritischen Situationen rasch und effizient decken zu können.
- Gleichzeitig müssen wir uns für Maßnahmen einsetzen, die der Ankurbelung der Produktion in den Entwicklungsländern im kommenden Landwirtschaftsjahr dienen.
- Schließlich sollten darüber hinaus Anreize für mehr Investitionen geschaffen werden, indem strukturellere Ebenen der Entwicklung des Sektors angegangen werden.

Eine wirkungsvolle Mobilisierung des Agrarsektors kann erreicht werden, indem den betroffenen Ländern die Möglichkeit gegeben wird, an ihre Situation angepasste Konzepte im Bereich der Nahrungsmittel, der Landwirtschaft und des ländlichen Raums umzusetzen. Diese Länder müssen über die politischen Instrumente verfügen, die erforderlich sind, um die Ernährungssicherheit zu verbessern. Regionalpolitische Strategien vermögen zudem dabei zu helfen, auf der Ebene einer äquivalenten Wettbewerbsfähigkeit die Ergänzungsfähigkeit von Akteuren und Wirtschaftssektoren zu nutzen. Schließlich müssen die nationalen Regierungen nach den Regeln einer verantwortungsvollen Staatsführung die notwendigen Maßnahmen erarbeiten, um die Versorgung ihrer Bevölkerung angesichts der Unwägbarkeiten und Schwankungen der internationalen Märkte zu sichern.

Die FAO-Konferenz in Rom hat am 3. Juni einen neuen Impuls gegeben, alle Anstrengungen zu bündeln und die richtigen Antworten auf die Ernährungskrise in der Welt zu finden. Wir verpflichten uns, gemeinsam aktiv an der Umsetzung dieser Leitlinien zu arbeiten.

Die beiden Minister erklären, dass angesichts der steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln in den nächsten Jahren der Landwirtschaft in den Industrieländern einschließlich der Europäischen Union eine wichtige Rolle zukomme. Die Herausforderung für unsere Landwirtschaft besteht darin, mehr und besser zu produzieren. Zugleich muss der Ausbau der Bioenergie weiter voran getrieben werden, um seine Potenziale für Klimaschutz und Energieversorgung zu nutzen. Er muss nachhaltig und verantwortungsbewusst erfolgen, so dass er nicht in Konflikt mit der Sicherung der Welternährung gerät. Vor diesem Hintergrund halten der französische und der deutsche Minister die von der Europäischen Union gesteckten Ziele für die Entwicklung von Biokraftstoffen für vernünftig, da sie es erlauben, weiterhin rund 90 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche Europas für die Nahrungsmittelerzeugung zu verwenden. Durch weitere in der Europäischen Union diskutierte Maßnahmen wie die Abschaffung der obligatorischen Flächenstilllegung könnten außerdem zusätzliche Flächen wieder für die Produktion genutzt werden. Es gilt also, die Potenziale der Lebensmittel- und Energieerzeugung gleichzeitig auszubauen und zu nutzen.

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