Deutsch-Französisches Geschichtsbuch: Vorstellung des zweiten Bandes (Berlin, 9. April und Paris, 23. April 2008)

Jetzt liegt der neue Band des gemeinsamen deutsch-französischen Geschichtsbuchs gedruckt vor, der die konfliktreiche Zeitspanne zwischen dem Wiener Kongress und 1945 behandelt.

Jetzt liegt der neue Band des gemeinsamen deutsch-französischen Geschichtsbuchs gedruckt vor, der die konfliktreiche Zeitspanne zwischen dem Wiener Kongress und 1945 behandelt.

Das Verhältnis Deutschland - Frankreich war nie so konfliktgeladen und gewaltsam wie zwischen Wiener Kongress (1815) und dem Ende des 2. Weltkrieges. Der zweite Band des deutsch-französischen Geschichtsbuchs gibt jetzt Schülerinnen und Schülern aus beiden Ländern Gelegenheit, diese Phase der europäischen Geschichte – auch mit der Brille des Anderen – kennen zu lernen.

Vorstellung der französischen Fassung (Paris, 23. April 2008)

Am 23. April stellte Bildungsminister Xavier Darcos die französische Fassung des zweiten Bandes des Deutsch-Französischen Geschichtsbuches „Histoire / Geschichte – Europa und die Welt vom Wiener Kongress bis 1945“ an der Pariser Sorbonne der Öffentlichkeit vor.

An der Präsentation nahmen Klaus Wowereit, Bevollmächtigter für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit und Regierender Bürgermeister von Berlin, sowie die Leiter der beiden Verlagshäuser Nathan und Klett, Catherine Lucet und Ilas Körner-Wellershaus teil.

Anlässlich der Vorstellung beantwortete ein Runder Tisch zum Thema „Das Deutsch-Französische Geschichtsbuch – der Blick des Anderen auf den Geschichtsunterricht“ unter Leitung des Journalisten Jean-Maurice de Montrémy Fragen aus dem Publikum und vor allem von Geschichtslehrerinnen und –lehrern.

An der Diskussion beteiligten sich auch Xavier Darcos und Klaus Wowereit.

Vorstellung der deutschen Fassung (Berlin, 9. April 2008)

Der Bevollmächtigte für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, und der Minister für Bildung der Republik Frankreich, Xavier Darcos, stellten am 9. April die deutsche Fassung des zweiten Bandes in Berlin vor.

Wowereit dankte allen, die an dem anspruchsvollen Projekt mitgearbeitet haben. Er betonte, in dem Werk träten Perspektivwechsel an die Stelle der überwiegend nationalen Betrachtung: "So wird die Subjektivität der Geschichtsdeutung sichtbar - wie auch ihre Instrumentalisierung."
Darcos kündigte an, das Buch werde auf dem nächsten deutsch-französischen Ministerrat den beiden Regierungen vorgestellt.

Europäische Geschichte aus deutsch-französischer Sicht

Das durch das deutsch-französische Verlagsduo Klett und Nathan herausgegebene Geschichtsbuch ist in seiner Art bislang einzigartig und stellt die Frucht einer intensiven deutsch-französischen Kooperation im Bildungssektor dar. Es soll insgesamt drei Bände für den Unterricht an den Gymnasialklassen umfassen und umfasst nicht nur die deutsch-französische Geschichte, sondern deckt den Lehstoff der jeweiligen Klassenstufe insgesamt ab. Nach dem 2006 erschienenen Band für den Unterricht in der letzten Klasse der Oberstufe bietet der nun erschienene zweite Band für den ersten Jahrgang der Oberstufe Gelegenheit, aus der Perspektive des Anderen auf die Geschichte Europas und der Welt in der Zeit vom Wiener Kongress (1814) bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu blicken - eine Epoche, die durch drei große Kriege geprägt ist.

Das Geschichtsbuch kann als normales Lehrbuch eingesetzt werden und bietet dazu noch den Mehrwert, der sich aus dem jeweils anderen Blickwinkel auf die Geschichte ergibt.

Durch Bildung Vorurteile abbauen

Das Geschichtsbuch hat nicht nur bildungspolitisch eine hohe Bedeutung; mindestens ebenso wichtig ist der psychologische Effekt: Junge Deutsche und junge Franzosen lernen aus dem gleichen Buch die jeweilige Geschichte ihres Landes sowie die gemeinsame europäische Geschichte.

Das Lehrbuch leistet einen Beitrag dazu, die Vermittlung und Wahrnehmung der Vergangenheit aus Sicht der jungen Deutschen und Franzosen im zusammenwachsenden Europa anzunähern. Es ermöglicht den Schülerinnen und Schülern beider Länder, gemeinsame und unterschiedliche historische Entwicklungen nachzuvollziehen, und es erleichtert den Perspektivenwechsel.

Entstehungsgeschichte

Der Vorschlag zu einem gemeinsamen Geschichtsbuch entstand 2003 im deutsch-französischen Jugendparlament. Dies kam anlässlich des 40. Jahrestages des Elysée-Vertrages auf Initiative des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) in Berlin zusammen. Die Regierungen beider Länder nahmen die Idee auf und organisierten die Umsetzung. Auf deutscher Seite waren das Auswärtige Amt und der Bevollmächtigte für die deutsch-französischen Kulturbeziehungen, auf französischer Seite das Erziehungsministerium beteiligt.

Der erste Band erschien am 10. Juli 2006, er thematisiert die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute. Er ist sowohl in Frankreich als auch in Deutschland ein großer Erfolg.

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